Projektinformationen

  • StandortMannheim, Germany
  • AuftraggeberStadtpark Mannheim gGmbH (LP1-4) Stadt Mannheim (LP5-9)
  • EntwurfCarlfried Mutschler, Joachim Langner und Frei Otto
  • Größe7.400 m² BGF
  • Kosten12,6 Mio. EUR netto, Kgr. 300
  • BearbeiterFast + Epp Deutschland

Die anlässlich der Bundesgartenschau von 1975 als temporäres Bauwerk errichtete Multihalle im Herzogenriedpark in Mannheim ist die bis heute größte freitragende Holzgitterschalenkonstruktion der Welt. Die Multihalle entstand durch die kongeniale Zusammenarbeit der Architekten Mutschler und Langner mit Frei Otto.

Die mit einem PVC beschichteten Polyester-Gittergewebe überspannten Holzlatten aus Hemlock Pine beherbergen derzeit unter rund 9.500 m² Dachfläche ein Restaurant und Veranstaltungsräume. Die einzelnen Latten der Dachkonstruktion sind mit Bolzen zu einem Gitter mit verdrehbaren Knoten und einer Maschenweite von 50 cm verbunden. Die größte Spannweite beträgt 60 m bei einer Höhe von 20 m.

Wegen ihrer architektonischen Einmaligkeit und filigranen Konstruktion wurde die Multihalle 1998 als Kulturdenkmal erfasst. Das Bauwerk befindet sich weitestgehend im Originalzustand. Altersbedingt sind umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich.

Fast + Epp wurde beauftragt, die derzeitige Standsicherheit zu beurteilen und ein Instandsetzungskonzept zu entwickeln. In enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege erstellte Fast + Epp ein Sanierungskonzept für das Wunder der Ingenieurbaukunst.

Um die Multihalle langfristig zu erhalten, müssen die Steifigkeit des Dachtragwerks erhöht und die bestehenden Schäden ausgebessert werden. Mittels evolutionären Optimierungsalgorithmen wurden die notwendigen Verstärkungsbereiche durch eine parametrische Modulierung mit „Grasshopper“ zusammen mit dem Finite-Elemente Programm „Karamba3D“ in „Rhino3D“ zur Wahrung des ursprünglichen Erscheinungsbildes der Multihalle auf ein Minimum reduziert. Weiterhin sollen stark verformte Bereiche des Dachtragwerks wieder in ihre ursprüngliche Position angehoben werden, um die Schalentragwirkung zu verbessern.

Aufgrund der Komplexität des Bauwerks wurden die Sanierungsmaßnahmen im Rahmen einer probeweisen Instandsetzung in intensiver Zusammenarbeit mit der Wüstenrot Stiftung getestet, um die baupraktische Umsetzung der Sanierung zu erproben, weitere Erkenntnisse für die Planung zu gewinnen und mögliche Hindernisse frühzeitig zu erkennen. Die Erkenntnisse werden genutzt, um den Bauablauf zu optimieren und das Risiko für eventuelle Störungen im Bauablauf zu senken. Bauherr und Planer haben hierbei einen Weg gewählt, der deutlich über die üblichen Planungsschritte im Hochbau hinausgeht, um der Einmaligkeit des komplexen Bauwerks und seinem experimentellen Charakter gerecht zu werden.