Als Wohnheim für 404 Studierende der University of British Columbia ist ein mehrgeschossiger Neubau entstanden, der bei seiner Fertigstellung 2017 das höchste Holzgebäude der Welt war. Es beherbergt 272 Studios und 33 Vierer-Wohngemeinschaften sowie Lern- und Gemeinschaftsflächen.

Das Wohnheim wurde von Acton Ostry Architects in Vancouver geplant. Architekten des Büros Hermann Kaufmann (Schwarzach/Österreich) haben das Planungsteam in puncto Hochhausbau beraten. Fast + Epp war mit den Leistungen der Tragwerksplanung beauftragt, in einem Umfang, der den HOAI-Leistungsphasen 1&ndash9 entspricht.

Der mit der BIM-Methode geplante Neubau steht in einer Zone sehr hoher seismischer Aktivität. Die Planer haben die ausführenden Baufirmen frühzeitig einbezogen. Zudem ist der Entwurf anhand eines zweigeschossigen Versuchsgebäudes mit verschiedenen Verbindungstypen und Fassadensystemen auf seine Ausführbarkeit hin überprüft worden.

Projektinformationen

  • StandortVancouver, British Columbia, Kanada
  • AuftraggeberUniversity of British Columbia Infrastructure Development Campus and Community
  • EntwurfActon Ostry Architects
  • Größe14.864 m² BGF
  • Kosten25,9 Mio. EUR netto, Kgr. 300 + 400
  • ZertifizierungLEED Gold
  • BearbeiterFast + Epp Kanada

Die Decken bestehen aus fünflagigen Brettsperrholzelementen. Sie werden von Brettschichtholzstützen getragen. Die Dachdecke über dem 18. Stockwerk besteht aus Stahl. Zur Gebäudeaussteifung dienen Aufzugs- und Treppenhauskerne sowie die Decke über dem Erdgeschoss. Diese Bauteile sowie die Gründung sind – auch aus Brandschutzgründen – in Stahlbetonbauweise erstellt. Somit sind die Vorteile beider Baustoffe miteinander kombiniert. Zugleich ist eine Konstruktion entstanden, die durch Einfachheit besticht.

Die 78 Stützen pro Stockwerk sind mit insgesamt 1.248 Verbindungen zusammengefügt. Sie bestehen aus ineinandergreifenden Stahlrohren, die an den Kopf- bzw. Fußplatten der Stützen befestigt sind. Die Stahlrohre durchstoßen die Deckenscheiben aus Brettsperrholz, ohne dass Querpressungen im Holz entstehen. Die Verbindung ist durch Bolzen und eingeklebte Gewindestäbe gesichert.

Für eine effiziente statische Ausnutzung des Tragwerks sorgt ein optimiertes Stützenraster, bei dem die Raumaufteilung an die größten verfügbaren Brettsperrholzelemente angepasst ist. Ein weiterer Vorteil: Die Zahl der Deckenelemente wurde minimiert und somit die Zahl der Kranbewegungen in der Bauphase.

Die Fassade des 53 Meter hohen Hochhauses besteht aus Metallständerwänden mit vorinstallierten Fenstern. Diese präfabrizierten Module sind ebenso wie die Holzelemente in hohem Grad vorgefertigt worden. Somit konnte der Neubau mit hoher Geschwindigkeit ausgeführt werden mit bis zu drei Stockwerken pro Woche. Nach nur 66 Tagen war die Massivholzkonstruktion fertig.

Die Ingenieure von Fast + Epp haben zweiachsig gespannte Decken angeordnet und somit ein Konstruktionsprinzip entwickelt, das vollständig ohne Querträger auskommt. Ein weiterer Vorteil: Die Konstruktionshöhe der Decken ist signifikant reduziert. An der sauberen, punktgestützten Oberfläche konnten zudem die Versorgungsleitungen ungehindert verlegt werden, wie man es ansonsten nur von Flachdecken im Massivbau kennt.

Die Planungen für Brock Commons sind mit der BIM-Methodik durchgeführt worden. Anhand eines dreidimensionalen, digitalen Zwillings konnten die verschiedenen Gewerke optimal koordiniert werden. Das Planungsteam hat alle Durchbrüche für Kabeltrassen und Leitungen der technischen Gebäudeausrüstung in den Brettsperrholzdecken frühzeitig abgestimmt und anschließend in die CAD-Daten für die CNC-Fräsen zur Herstellung der Holzelemente übertragen lassen.

In den 2010er-Jahren haben die Bauvorschriften der Provinz British Columbia Holzgebäude mit maximal sechs Geschossen erlaubt. Brock Commons war daher von Anfang an ein Forschungsprojekt mit dem Ziel, Massivholz als Baustoff zu fördern. Mit Brock Commons ist der Nachweis erbracht: Holzgebäude können mit Stahlbetonbauten sehr wohl konkurrieren. Auch hinsichtlich der Baukosten.

In puncto Brandschutz übertrifft Brock Commons einen Massivbau sogar. Dort, wo Trennwände die Wohneinheiten bilden, ist die Holzkonstruktion durch mehrere Schichten Gipskartonplatten geschützt. So wird eine Feuerwiderstandsdauer von zwei Stunden gewährleistet. Die automatische Sprinkleranlage mit ihrer autarken Wasserversorgung funktioniert auch im Erdbebenfall.

Durch den Einsatz von Holz werden bei diesem Bauvorhaben etwa 2.564 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Der nachhaltige und energieeffiziente Neubau ist LEED-Gold zertifiziert. Und den Leuchtturmcharakter des Projekts dokumentieren die zahlreichen Awards, mit denen das Wohnheim ausgezeichnet ist.

Awards

  • BC Public Service

    2018 Premier's Award

  • ACEC-BC

    2018 Award of Excellence

  • ACEC-BC

    2018 Lieutenant Governor’s Award

  • Wood Design BC

    2018 Large Institutional Wood Design

  • Canadian Wood Council

    2018 Wood Innovation Award

  • Canadian Wood Council

    2018 Engineer Award

  • CTBUH

    2018 Innovation Award Finalist

  • Canadian Green Building Council - 2018 Awards SAB Magazine

    2018 Residential [Large] award

  • Canadian Green Building Council

    2018 Commercial/ Industrial {small} Award

  • NCSEA, USA

    2017 Excellence in Structural Engineering Award

  • The Institution of Structural Engineers, UK

    2017 Construction Innovation Award

Zeitraffervideo der Bauarbeiten

Bildnachweis: naturallywood.com ⁄ Michael Elkan Photography; Seagate Structures; University of British Columbia Public Affairs