Mit dem Neubau des Kyocera Fineceramics Campus in Mannheim wurde ein industriell geprägter Standort zu einem zukunftsfähigen, nachhaltig organisierten Campus weiterentwickelt. Realisiert wurden neue Flächen für Verwaltung, Produktion und Logistik, wobei sämtliche Neubauten konsequent in Holz- bzw. Holz-Hybridbauweise ausgeführt sind. Das viergeschossige Verwaltungsgebäude bildet den organisatorischen und kommunikativen Mittelpunkt des Areals.

Der viergeschossige Baukörper mit fast quadratischem Grundriss präsentiert sich kompakt und präzise gegliedert. Die innere Struktur folgt einem klaren Prinzip. Im Erdgeschoss stehen Ankommen, Orientierung und Austausch im Mittelpunkt. In den darüberliegenden Regelgeschossen sind die Arbeitsbereiche effizient organisiert. Sie gruppieren sich um eine zentrale Zone und schaffen kurze Wege und eine hohe Übersichtlichkeit.

Im Erdgeschoss sorgt Stahlbeton für Robustheit bei hohen Lasten. Die drei oberen Geschosse sind als Holzbau konzipiert. Ergänzt wird das Ensemble durch ein Produktions- und Logistikgebäude in reiner Holzkonstruktion.

Projektinformationen

  • StandortMannheim
  • AuftraggeberKyocera Fineceramics Europe GmbH
  • EntwurfSTUDIO SF – Simon Fischer & Architekten GmbH
  • Größe2.300 m² BGF
  • BearbeiterFast + Epp Deutschland

Fast + Epp verantwortete die Tragwerksplanung für das gesamte Ensemble. Die Konstruktion folgt einem klaren Tragwerkskonzept: Aufgrund hoher Lasten und Spannweiten ist das Erdgeschoss in Stahlbetonbauweise ausgeführt, während die drei darüberliegenden Regelgeschosse als Holzbau konzipiert sind. Die tragende Struktur besteht aus Brettstapelwänden sowie Holz-Beton-Verbunddecken mit unterseitig sichtbaren, akustisch wirksamen Brettstapelelementen, die leimfrei über Holzdübel miteinander verbunden sind.

Der eingeschossige Bau des angrenzenden Logistik- und Produktionsgebäudes mit Zwischenebenen ist als reine Holzkonstruktion realisiert. Lediglich die Einhausung des LEAN-Lifts wurde aus brandschutz- und versicherungstechnischen Gründen in Stahlbetonweise hergestellt. Tragende Holzständerwände, Holzstützen und Unterzüge sowie Holzrippendecken mit Furnierschichtholzbeplankung prägen die Konstruktion. Die Aussteifung erfolgt über beplankte Holzständerwände. Aufgrund der unterschiedlichen Steifigkeitsverhältnisse des Stahlbetonkerns des im Grundriss exzentrisch angeordneten LEAN-Lifts im Vergleich zur leichten Holzrahmenkonstruktion der Halle wurde das eigentliche Hallengebäude vom Stahlbetonkern des LEAN-Lift horizontal entkoppelt. Auf diese Weise konnten die Erdbebenlasten geschickt gesteuert werden und ein wirtschaftliches Aussteifungssystem für das Holzgebäude entwickelt werden.

Die Konstruktion ist materialgerecht, schadstoffarm und auf Rückbaubarkeit ausgelegt. Rund 70 % der Bauteile sind für eine Weiterverwendung vorgesehen, ergänzt durch Recycling- und Wiederverwendungsstrategien auf Materialebene. Passive Maßnahmen, die Nutzung industrieller Abwärme, flächendeckende Photovoltaik sowie ein integriertes Regenwassermanagement unterstreichen den ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz. Nicht zuletzt überzeugt das Projekt durch die bewusste Sichtbarkeit von Konstruktion und Technik. Der Verzicht auf abgehängte Decken zugunsten hoher Raumhöhen, offen geführter Gebäudetechnik und sichtbarer Holzoberflächen verleiht dem Gebäude eine klare, konstruktiv geprägte Identität. In dieser Verbindung aus Tragwerkslogik, architektonischer Klarheit und nachhaltiger Strategie liegt die besondere Qualität des Projekts.

Bildnachweis: Ben Van Skyhawk