Der Bildungskomplex Bieber Nord vereint eine dreizügige Grundschule mit integrierter Sporthalle sowie eine sechsgruppige Kindertagesstätte zu einem zukunftsweisenden Bildungsstandort. Beide Neubauten sind in massiver Stahlbetonbauweise errichtet und stellen mit ihrer funktionalen Dichte, strukturellen Klarheit und nachhaltigen Gestaltung einen kraftvollen Beitrag zur Stadtentwicklung dar.

Das viergeschossige Schulgebäude mit wasserundurchlässigem Untergeschoss organisiert sich um eine zentrale Eingangshalle mit großzügiger Sitztreppe und durchgestecktem Luftraum bis ins dritte Obergeschoss. Herzstück des Tragwerks ist die Sporthalle, die mit einer Spannweite von 15,6 Metern nicht nur weite Deckenfelder überspannt, sondern über wandartige Träger und Verbundelemente Teile der aufliegenden Obergeschosse abfängt. Die drei Geschosse darüber sind konsequent in Lerncluster gegliedert und münden im dritten OG in eine teilüberdachte, als Schulhof genutzte Dachfläche. Die Cafeteria, Lehrer- und Bibliotheksräume sowie diverse Fach- und Nebenräume komplettieren das Raumprogramm.

Der dreigeschossige Baukörper der Kita folgt einem stringenten, funktionalen Raster mit zentralem Erschließungsflur. An der Westfassade liegt ein vorgelagerter Laubengang als Flucht- und Zugangsebene in einer filigranen Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Stahl – ein bewusstes konstruktives Gegengewicht zur Massivität der Hauptstruktur. Beide Gebäude sind mit begrünten Dachflächen versehen, teilweise auch mit begrünten Fassadenanteilen.

Projektinformationen

  • StandortOffenbach
  • AuftraggeberMagistrat der Stadt Offenbach Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement - Amt 60 -Bereich: Hochbaumanagement
  • Entwurfblfp Architekten GmbH
  • BearbeiterFast + Epp Deutschland

In einem heterogenen städtebaulichen Umfeld schafft das Projekt Klarheit, Maßstäblichkeit und Zukunftsfähigkeit. Besonders hervorzuheben ist die ingenieurtechnische Leistung im Bereich der Sporthalle, die als komplexes Tragwerk integraler Bestandteil des Schulgebäudes fungiert. Die Kombination aus weitspannenden Holzbindern, wandartigen Trägern und punktuell eingesetzten Verbundkonstruktionen ermöglicht nicht nur eine großzügige Halle, sondern trägt maßgeblich zur vertikalen Lastabtragung der darüberliegenden Geschosse bei – ein planerisches Kunststück, das gleichermaßen ökonomisch wie gestalterisch überzeugend ist. Auch die Tragwerksplanung der Kita zeigt durchdachte Ingenieurbaukunst: Die gezielte Überhöhung der Decke im zweiten Obergeschoss zum Ausgleich potenzieller Verformungen, die sorgfältige Setzungsvermeidung durch Herausziehen der Bodenplatte unter den Laubengang sowie die dreidimensionale Lastabtragung über Decken, Wände und Unterzüge demonstrieren das hohe konstruktive Niveau. Der differenzierte Materialeinsatz – Stahlbeton im Haupttragwerk, Stahl für den Laubengang, Holz in der Sporthalle – spiegelt nicht nur die funktionalen Anforderungen, sondern auch eine bewusste, gestalterische Haltung.

Bildnachweis: Eibe Sönnecken